Erstellung von Sanierungsgutachten nach IDW Standard S6

Um ein von einer Krise bedrohtes Unternehmen nachhaltig zu sanieren, bedarf es eines überzeugenden unternehmerischen Ansatzes, der von

einem unabhängigen Dritten in einem Sanierungsgutachten abzubilden und zu bewerten ist. Unser Fokus richtet sich hier auf die Hardfacts der Sanierung.

Wie entscheidet die Bank, wann Ihr Unternehmen sanierungsfähig ist?

Ein Sanierungsgutachten ist dann wichtig, wenn Sie bei Ihrer Bank einen Kre­dit­an­trag stel­len und Ihr Unternehmen bereits als Krisenfall eingestuft wurde.

Ohne dieses Sanierungsgutachten darf die Hausbank schon bei der Vermutung eines Krisenfalles aus juristischen Gründen keinen Kredit vergeben. Um derartige Gutachten zu vereinheitlichen, gibt es seit 10/2009 den neuen IDW-Standard. Ein Sanierungsgutachten nach IDW-Standard ist also ein wirksames Instrument für die Verhandlungen mit Ihrer Bank.

Das allein heißt aber nicht, dass damit Ihr Unternehmen saniert ist. Denn auch wenn Sie ein IDW-ge­mä­ßes Kon­zept bei Ihrer Hausbank vor­le­gen, bedeutet dies nicht, dass automatisch der im Gutachten für notwendig erachtete Kredit Ihrem Unternehmen zufließt.

Was bedeutet der IDW-Standard S6?

Das Institut der Wirtschaftsprüfer e.V. (IDW) hat in der Nachfolge der bisherigen Empfehlung (FAR 1/1991) die Mindestanforderungen an ein Sanierungskonzept festgelegt.

Die neuen Anforderungen werden von Wirtschaftsprüfern und Kreditgebern als Grundlage für ein Sanierungsgutachten herangezogen, um einheitliche Mindeststandards zu gewährleisten.

Aufbau des Konzepts

Ein Sanierungskonzept enthält in seinem ersten Teil Aussagen über die wesentlichen Unternehmensdaten, Ursachen- und Wirkungszusammenhänge sowie rechtliche und ökonomische Einflussfaktoren. Es beschreibt auf der Grundlage einer systematischen Lagebeurteilung die im Hinblick auf das Leitbild des sanierten Unternehmens zu

ergreifenden Maßnahmen.

Gleichzeitig quantifiziert es deren Auswirkungen im Rahmen einer integrierten Liquiditäts-, Ertrags- und Vermögensplanung (integrierte Planung).

Plausibilität und Realisierbarkeit

Grundsätzliche Anforderung ist, dass das Konzept in zweierlei Hinsicht plausibel und realisierbar ist:

  • Die vorgesehenen Beiträge der betroffenen Interessengruppen - vor allem Gesellschafter, Kreditgeber, Management und Arbeitnehmer - müssen durchsetzbar sein.
  • Die definierten operativen und strategischen Restrukturierungsmaßnahmen müssen umsetzbar sein.
Nach welchen Kriterien des IDW-Standards ist Ihr Unternehmen sanierungsfähig?

Im IDW Standard (S 6) wird die Erfüllung von drei Kriterien verlangt:

1. Fortführungsfähigkeit: Die Insolvenztatbestände Zahlungsunfähigkeit und/oder Überschuldung drohen zumindest nicht im laufenden und im folgenden Geschäftsjahr.

2. Renditefähigkeit: Der im Sanierungsgutachten definierte neue Geschäftsansatz und die einzuleitenden Maßnahmen versprechen auf mittelfristige Sicht, dass das Unternehmen eine angemessene und branchenübliche Rendite erzielt. Gleichzeitig ist das Unternehmen in der Lage, die vertraglich vereinbarten Zins- und Tilgungsleistungen zu erwirtschaften und zu bedienen.

 

3. Wettbewerbsfähigkeit: Das Unternehmen erlangt seine Wettbewerbsfähigkeit auf allen relevanten Märkten zurück und erhält sie. Dies setzt die Existenz eines marktfähigen Produkt- und/oder Dienstleistungsportfolios voraus, ebenso wie eine etablierte und funktionierende Vertriebsschiene. Der ganzheitliche Geschäftsansatz verspricht langfristig eine gefestigte Marktpositionierung.